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Interview mit einem der führenden Myelomexperten: Dr. Kenneth Anderson - Teil 2: Die Zukunft der Myelombehandlung

Kein Kommentar Von ; Übersetzt von Sabine Schock
Veröffentlicht: 28. Februar 2011 11:40
Interview mit einem der führenden Myelomexperten: Dr. Kenneth Anderson - Teil 2: Die Zukunft der Myelombehandlung

Dr. Kenneth Anderson , ein weltberühmter Myelomexperte, Arzt und Wissenschaftler am Dana-Farber Cancer Institut  und Professor an der Medizinischen Fakultät der Harvard Universität in Boston, sprach mit Myeloma Beacon über seinen Behandlungsansatz bei Patienten mit multiplem Myelom..

Dieser Artikel ist der zweite Teil einer zweiteiligen Reihe, die auf dem Interview von Myeloma Beacon mit Dr. Anderson basiert. Er wird die Gedanken von Dr. Anderson aufführen, wohin die Myelom-Behandlung in den nächsten Jahren gehen wird. Für weitere Informationen über den aktuellen Ansatz von Dr. Anderson zur Behandlung des multiplen Myeloms, siehe Teil 1 dieser Reihe.

Neu entwickelte Therapien

Dr. Anderson zufolge gibt es mehrere vielversprechende Substanzen, die zurzeit zur Behandlung des multipen Myeloms entwickelt werden.

Die erste vielversprechende Substanz, die er erwähnte, war Carfilzomib, ein Proteasomenhemmer wie Velcade (Bortezomib). "Carfilzomib scheint bei rezidiviertem Myelom aktiv zu sein und mit sehr wenigen Nebenwirkungen wie periphere Neuropathie verbunden [Schmerzen oder Kribbeln in den äußeren Extremitäten] zu sein," erklärte Dr. Anderson.

Er war auch von dem Potenzial von Pomalidomid beeindruckt. Pomalidomid ist – wie Thalidomid und Revlimid (Lenalidomid) - ein immunmodulatorisches Medikament. "Pomalidomid nimmt wie Thalidomid und Revlimid die Mikroumgebung des Malignoms ins Visier. Beeindruckend ist, dass Pomalidomid auch dann aktiv ist, wenn Thalidomid und Revlimid es nicht mehr sind. Pomalidomid auch aktiv, wenn Velcade es nicht ist."

Außer diesen zwei Substanzen, die sich noch in der klinischen Prüfung befinden, sah Dr. Anderson das größte Potential in Kombinationsbehandlungen.

Dr. Anderson erwähnte Kombinationen von Velcade und einem Histone Deacetylase Hemmstoff, entweder Zolinza (Vorinostat) oder Panobinostat, die ein Ansprechen bei der Mehrzahl von Patienten erreicht haben, die auf Velcade nicht angesprochen haben.

Er war auch der Meinung, dass Velcade in der Kombination mit dem AKT Hemmstoff Perifosin bei Patienten wirksam zu sein scheint, die mit Velcade vorbehandelt wurden oder auf Velcade nicht ansprachen.

Bei der Kombinationstherapie aus Revlimid und Dexamethason begeisterte Dr. Anderson die Zugabe des Antikörpers Elotuzumab. Er sagte, dass diese Kombination eine sehr hohe Ansprechrate bei Myelompatienten erreicht hat.

Personalisierte Therapie

Dr. Andersons Meinung nach wird die personalisierte Therapie für Myelompatienten in den nächsten Jahren immer üblicher werden.

Er erklärte, dass Myelompatienten basierend auf ihrem genetischen Profil unterschiedlich behandelt werden können. Jedoch fügte er hinzu: "Wir müssen zuerst in der Lage sein, Patienten besser zu charakterisieren, um zu bestimmen, wer auf welche Behandlung ansprechen wird; und zweitens erfordert die personalisierte Medizin beim Myelom die Entwicklung zielgerichteter Therapien."

Wenn Fortschritte auf diesen zwei Gebieten gemacht werden, sagte Dr. Anderson, "dann würde ich sagen, dass innerhalb der nächsten drei bis fünf Jahre personalisierte Behandlungen durchgeführt werden können."

Myelom-Stammzellen

Die Myelomexperten hoffen, in den nächsten Jahren die Myelom-Stammzellen besser zu verstehen. Myelom-Stammzellen sind Krebszellen, die sich vermehren und für den Rückfall der Krankheit verantwortlich sein können.

"Bis jetzt ist es uns nicht gelungen, diese Stammzelle reproduzierbar zu identifizieren, aber es ist ein großer Schwerpunkt der Forschung, die Biologie der Stammzelle zu verstehen, die wir dann effektiv ins Visier nehmen können," sagte Dr. Anderson. "Schließlich müssen wir, um das Myelom zu heilen, die Fähigkeit des Myeloms wieder aufzutreten und ein Rezidiv zu verursachen, überwinden."

Heilung für das Myelom

Viele Myelomexperten haben unterschiedliche Meinungen bezüglich des Behandlungsziels für Myelompatienten.

Für einige besteht das Ziel der Myelom-Behandlung darin, eine komplette Remission zu erreichen und aufrecht zu erhalten oder alle Spuren des Myeloms zu beseitigen. Andere behaupten, dass die aggressive Behandlung, die zur Eliminierung der Myelomzellen erforderlich ist, die Lebensqualität des Patienten stark beeinträchtigen kann und der Patient trotz allem wahrscheinlich rezidivieren wird. Viele dieser Ärzte würden es vorziehen, die Krankheit auf ein sicheres Niveau zu bringen und dann so weiterzubehandeln, dass eine Kontrolle der Krankheit und eine hohe Lebensqualität für den Patienten gewährleistet ist.

Um seine Meinung in dieser Debatte gefragt, antwortete Dr. Anderson, "Das Ziel sollte auf alle Fälle die Heilung der Patienten sein."

"Ich bin der festen Meinung, dass im Zeitalter der neuartigen Therapien, die in Kombination und in der Erhaltung verwendet werden, dauerhafte komplette Remissionen bei der Mehrheit der Patienten erreichbar sein werden," sagte Dr. Anderson. "Das Erzielen kompletter Remissionen und die darauffolgende dauerhafte Erhaltung dieser kompletten Remissionen ist in der Tat der Weg zur Heilung, und ich denke, wir sind diesem Ziel näher als jemals zuvor."

Dr. Anderson sagte, dass dieser Ansatz die Lebensqualität nicht bedeutend beeinträchtigen muss. "Die Lebensqualität ist von höchster Wichtigkeit," sagte er. "Die gute Nachricht ist, dass die neuen Therapiemöglichkeiten auch gut vertragen werden, wenn sie richtig angewandt werden."

"Ich denke nicht, dass es das eine oder das andere sein muss. Ich denke, dass wir wirklich hohe Remissionsraten erreichen können, und glücklicherweise werden sie nicht nur mit längeren Überlebenszeiten, sondern auch mit einer besseren Lebensqualität verbunden sein," fügte er hinzu.

Fortschritte in der Forschung durch klinische Studien

Dr. Anderson sagte, der schnellste Weg, Fortschritte in der Behandlung des Myeloms zu machen, besteht darin, dass Patienten an klinischen Studien teilnehmen. "Ich würde Patienten dringendst empfehlen, das Konzept von klinischen Studien anzunehmen und die Patienten bitten, wann immer möglich, an diesen Studien teilzunehmen."

Er sagte, dass Patienten teilnehmen sollten, weil "sie erstklassige, innovative, topaktuelle Behandlungen bekommen, die ihnen die bestmögliche Chance geben, mit dem Myelom fertig zu werden."

Denjenigen, die Bedenken bezüglich randomisierter klinischer Studien haben, weil die Hälfte der Patienten die Standardtherapie statt der Studienmedikation erhalten, sagte Dr. Anderson, "Wir wissen nicht, welche der Optionen besser ist. Gewöhnlich gibt es in einer randomisierten Studie später die Gelegenheit, die alternative Behandlung zu erhalten, wenn sie sich tatsächlich als vorteilhafter erweist. Mit anderen Worten, ein Patient bekommt die neue Therapie häufig entweder sofort oder zu einem späteren Zeitpunkt."

Dr. Anderson beendete das Gespräch mit den folgenden Worten: "Ich denke, dass es eine sehr aufregende Zeit in der Myelomforschung ist und es ein einzigartiges Privileg für uns alle ist, zusammen mit den Patienten zu helfen, das Ergebnis bei dieser Erkrankung zu verbessern."

Für mehr Information über den Behandlungsansatz von Dr. Anderson beim multiplen Myelom, siehe Teil 1 dieser Reihe.

Photo of Dr. Kenneth Anderson, professor at Harvard Medical School and physician and researcher at Dana-Farber Cancer Institute.
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