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Fortschritte bei Myelom- Impfstoffen – Teil 2: Arten von potenziellen Myelom-Impfstoffen

Kein Kommentar Von ; Übersetzt von Sabine Schock
Veröffentlicht: 23. Februar 2011 13:55
Fortschritte bei Myelom- Impfstoffen – Teil 2: Arten von potenziellen Myelom-Impfstoffen

Dieser Artikel ist der zweite einer fünfteiligen Reihe über Impfstoffe gegen das multiple Myelom. Er ist eine Einführung in die verschiedenen Arten von Impfstoffen, die zurzeit in der Entwicklung für das multiple Myelom sind. Der erste Artikel in der Reihe stellte eine Einführung in Konzepte für Myelom-Impfstoffs dar. Der dritte Artikel beschreibt Impfstoffe, für die klinische Studien bereits beendet worden sind, der vierte Artikel konzentriert sich auf die laufende und zukünftige Impfforschung und der fünfte Artikel erzählt die Geschichte eines Patienten, der an einer Studie zu einem Myelom- Impfstoff teilgenommen hat.

Wie bereits in Teil 1 dieser Reihe beschrieben, gibt es mehrere mit Krebs-Impfstoffen verbundene Herausforderungen. Deshalb wird zurzeit eine Vielfalt von Strategien bei der Entwicklung eines wirksamen Myelom- Impfstoffs erforscht. Im Folgenden werden einige der Strategien vorgestellt, die im Labor und klinischen Alltag getestet werden.

Protein-Impfstoffe

Viele derzeit zugelassenen vorbeugenden Impfstoffe, wie z. B. der Impfstoff gegen das Hepatitis B Virus (HBV), sind Protein-Impfstoffe. Diese Impfstoffe sind aus Proteinen zusammengesetzt, die in einem Krankheitserreger oder Toxin enthalten sind. Protein-basierte Impfstoffe, die zurzeit für das multiple Myelom erforscht werden, sind aus spezifischen Proteinen von krebsbefallenen Zellen zusammengesetzt.

Es wird angenommen, dass diese Impfstoffe anfangen zu arbeiten, wenn besondere Zellen im Immunsystem die Impfproteine aufnehmen. Diese Zellen können dann andere Bestandteile des Immunsystems aktivieren, die Antikörper erzeugen und helfen, die Erkrankung zu bekämpfen.

Das Wilm Krebs-Gen (WT1) und die menschliche (humane) Telomerase Reverse Transkriptase (hTERT) sind Proteine, die in einer Vielzahl von Malignomen einschließlich dem Myelom gefunden werden. Die Überproduktion dieser Proteine führt dazu, dass sich die Zellen schnell teilen und zu Krebszellen werden. Protein-Impfstoffe werden zurzeit mit WT1 und hTERT für eine Vielzahl therapeutischer Krebs-Impfstoffe entwickelt.

Die krankhafte Produktion eines anderen Proteins, genannt Mucin1 (MUC1), spielt ebenfalls eine Rolle in der Entwicklung des multiplen Myeloms. Der Einsatz dieses Proteins in einem Myelom-Impfstoff hat vielversprechende Ergebnisse in vorklinischen Studien gezeigt und wird zurzeit einer klinischen Phase 1/2 Studie getestet.

Neben der Suche nach dem für die Impfung richtigen Proteins wird viel Forschung im Bereich der Substanzen betrieben, die das Immunsystem zum Zeitpunkt der Impfung aktivieren können. Diese Hilfsstoffe werden zurzeit in vorbeugenden Protein-Impfstoffen wie beim HBV Impfstoff verwendet, um eine stärkere Reaktion des Immunsystems auf das ausgewählte Protein hervorzurufen.

Die Suche nach der optimalen Hilfsstoff/Protein-Kombination, die die stärkste Reaktion des Immunsystems auslöst, wird im Labor und klinischen Studien fortgesetzt.

Zellbasierte Impfstoffe

Viele Forscher glauben, dass die Kombination von Protein-Impfstoffen mit dendritischen Zellen, einem Zelltyp, der das Immunsystem aktiviert, zu einer optimaleren Reaktion des Immunsystems führt. Bei der zellbasierten Impftherapie werden dendritische Zellen von einem Myelompatienten gesammelt und mit krebsspezifischen Proteinen, die synthetisch hergestellt wurden oder aus dem Blut des Patienten stammen, versehen. Diese modifizierten Zellen werden dann verwendet, um den Patienten zu impfen.

Diese Technik nutzt das Immunsystem des Patienten, um eine starke Reaktion auszulösen. Wenn die mit den krebsspezifischen Proteinen versehenen dendritischen Zellen zurück in den Patienten gespritzt werden, können sie andere Bestandteile des Immunsystems aktivieren, um krebsbefallene Zellen zu erkennen und zu zerstören.

Zellbasierte Impfstoffe haben vielversprechende Ergebnisse bei einer Vielzahl von Malignomen gezeigt. So ist z.B. der für den Prostata-Krebs genehmigte therapeutische Impfstoff ein dendritischer, zellbasierter Impfstoff.

Eine klinische Phase 1-Studie mit einem Myelom Impfstoff, bei dem die krebsbefallenen Zellen von Myelompatienten mit dendritischen Zellen kombiniert wurden, zeigte kürzlich vielversprende Ergebnisse (siehe verwandte Nachrichten von Myeloma Beacon).

Impfstoffe mit Antikörper-Teilen

Beim multiple Myelom wird das monoklonalem (M) – Protein, eine Art anomaler Antikörper, überproduziert. Die Art des überproduzierten M-Proteins, bekannt als Idiotyp, ist bei jedem Patienten einzigartig.

Impfstoffe mit Antikörper-Teilen, die auch als Idiotyp-Impfstoffe bezeichnet werden, werden aus dem M-Protein des Patienten hergestellt, um das Immunsystem des Patienten zu stimulieren. Protein- und zellbasierte Zubereitungen dieser Impfstoffe werden zurzeit erforscht.

Die Idiotyp-Impfung ist bislang eines der aktivsten Forschungsgebiete für die Myelom- Impfstoffentwicklung. Die Hälfte aller kürzlich beendeten klinischen Studien für Myelom-Impfstoffe umfassten Idiotyp-Impfstoffe.

Spender-Impfung und allogene Stammzelltransplantation

Die allogene Stammzelltransplantation, bei der Stammzellen eines gesunden Spenders einem Myelompatienten übertragen werden, wird seit langem als ein mögliches Heilmittel für das multiple Myelom betrachtet, weil die gesunden Spenderzellen Myelomzellen zerstören können.

Jedoch bleibt die Transplantat-Wirt-Reaktion (Graft-versus-Host-Disease, GVHD) eine ernste und lebensbedrohende Komplikation der Transplantation, die den klinischen Einsatz der Transplantation beschränkt. Die GVHD kommt vor, wenn die transplantierten Spenderzellen gesunde Zellen im Körper des Empfängers als fremd erkennen und sie angreifen.

Zurzeit wird eine Strategie erforscht, um die Anti-Myelom-Wirkung der allogenen Stammzelltransplantation zu erhöhen und die Schwere der GVHD zu reduzieren. Man will die Spenderzellen dazu bringen, die Krebszellen im Patienten selektiver zu zerstören.

Dafür wird der Spender mit M-Protein-Teilen, die vom Myelompatienten vor der Knochenmarksentnahme isoliert worden sind, geimpft. Wenn das Knochenmark entnommen wird, gibt es einen größeren Anteil an Zellen, die die krebsbefallenen Zellen des Myelompatienten zerstören können. Die resultierende Transplantation sollte auch eine weniger schwere GVHD auslösen.

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